Dr Erlgeenich

von Lene Voigt

Ä Babba, där reidet mit Gustav, sein Sohn,
Seit anderthalb Schtunden dorchs Rosendahl schon.
Dr Doktor, der hatn Bewäächung empfohln,
Die will sich dr Alde nu jede Nacht holn.
Sei Gleener wärd ängstlich un meent: "Gugge da,
Dr Erlgeenich schbukt dort, schon gommtr ganz nah!"
"Ächa, dummes Gind", brillt dr Babba zurick,
"De bist ähm schon schläfrich, da flimmert dr Blick."
"Ich sähn awer doch, dorten feixtr im Busche,
Äs Mondlicht, das fälltn diräkt uff de Gusche."
"Ich weeß gar nich, Gustav, was du heite hast,
Das is weiter nischt wie ä schimmlicher Ast."
"Nee, nee, gannst mrsch gloom, 's is ä Gärl un drhinter
Da schwähm seine Dechter. Verbibbch, sin das Ginder!
De eene, die winkt mitn Schnubbduch un lacht,
Ach Babba, is das änne gomische Nacht!"
Dr Alde wärd ärcherlich, reidet wie dumm,
Un meent zu sein Jung: "Gugg dich bloß nich mähr um!
De schteckst een ja dadsächlich an mit dein Bleedsinn.
Wie gann bloß ä neinjährches Gind so verdreht sin!"
Un doller noch reidet dr Babba drufflos,
Wild fliechen de Fätzen von Aerde un Moos,
Dr Gaul schnauft wie närrsch, wärft de Mähne gen Himmel
Un denkt: Was mei Reider is, där hat ä Fimmel! -
Na endlich da landense, 's wärd schon bald helle.
Dr Alde greift hinter sich - läär is de Schtälle.
Da ruftr un gratzt sich drbei hintern Ohrn:
"So's richtch, jetz habbch Gustaven glicklich verlorn!"


Dieses Kleinod sächsischen Kulturerbes und weitere patriotische Verse sind zu finden in:
Lene Voigt: Säk'sche Balladen, Rowohlt Taschenbuch rororo 4242
(Vermutlich das Beste, was man je für 6,95 EUR zu lesen bekommt! ;-)

Letzte Änderung: 2009-11-04